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Bayrischer Ministerpräsident schließt seinen Besuch der Tschechischen Republik im Collegium Bohemicum in Ústí nad Labem ab

Bayrischer Ministerpräsident schließt seinen Besuch der Tschechischen Republik im Collegium Bohemicum in Ústí nad Labem ab

Pressemitteilung Ústí nad Labem, 24.11.2011

Den historischen zweiten Besuch der Tschechischen Republik seit 1989 schloss der bayrische Ministerpräsi-dent Horst Seehofer am 24.11.2011 im Collegium Bohemicum ab. Auf der tschechischen Seite entstand hier während der Zeit des politischen Schweigens zwischen der Tschechischen Republik und dem Freistaat Bayern eine moderne Institution, die derzeit als Ort der Begegnung und gemeinsamen Kultur-, Bildungs- und For-schungsprojekten dient.
Lidice, Terezín (Theresienstadt), Ústí nad Labem (Aussig). Für den zweiten Tag seines Besuches in der Tschechischen Republik wählte der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer Orte von besonderer histori-scher Symbolik aus. Ein Ort des nationalsozialistischen Terrors an Tschechen, die Durchgangstation tschechi-scher und europäischer Juden auf dem Weg in die Gaskammern des Konzentrationslagers Auschwitz, ein Ort des Massakers an der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg. In Ústí nad Labem endete der Besuch des Ministerpräsidenten nicht mit einer Kranzniederlegung auf der Edvard-Beneš-Brücke, sondern im Collegium Bohemicum, welches als Ort des Rückblicks und des Neuanfangs gelten kann.
Das Collegium Bohemicum als gemeinnützige Organisation bereitet mit Unterstützung durch die Stadt Ústí nad Labem und den tschechischen Staat eine Dauerausstellung über die Geschichte der deutschsprachigen Be-wohner der Böhmischen Länder vor. Die Vorbereitungsphase befindet sich bereits im fortgeschrittenen Stadi-um: Das Museumsgebäude wurde mit Mitteln der EU renoviert, das Konzept zur Ausstellung und der Entwurf zur architektonischen Gestaltung sind fertiggestellt. Mit Mitteln des Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds findet derzeit der Ankauf von Exponaten statt. Auch werden Leihgaben durch verwandte Organisationen realisiert. Der Kulturminister Jiří Besser unterstützt bereits zum wiederholten Mal das Collegium Bohemicum.
Die Konzeption zur Dauerausstellung in Ústí nad Labem entsteht unter Einbezug der Öffentlichkeit: Sie wurde im Rahmen einer Vortragsreihe in Tschechien, Deutschland und Österreich zur Diskussion gestellt. Auch wur-de sie ehemaligen deutschsprachigen Bewohnern der Böhmischen Länder präsentiert. Das Vorhaben wurde von tschechischer Seite als willkommene Ergänzung des historischen Gedächtnisses, auf der deutschen als Erinnerung an das gemeinsame kulturelle Erbe und auf beiden als Hervorhebung der inspirativen Seiten des deutsch-tschechischen Zusammenlebens vom 13. bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begrüßt. Die Delegation der Sudetendeutschen, die den Ministerpräsidenten unter Leitung des Sprechers der Sudetendeut-schen Berndt Possel begleitet hatte, erhielt in Ústí nad Labem die Möglichkeit, sich ein Bild vom Stand der Ar-beiten an der Ausstellung zu machen.
„Das Collegium Bohemicum vernimmt den Besuch des Ministerpräsidenten als Ausdruck des Interesses und der Anerkennung. Das Collegium Bohemicum ist eine mögliche Plattform für die Zusammenarbeit mit Bayern im musealen und kulturellen Bereich sowie im Bereich der Bildung“, führte die Leiterin des Collegium Bohemi-cum Blanka Mouralová zum vergangenen Besuch aus.
Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Ústí nad Labem Jan Řeřicha schätzt den Besuch folgendermaßen ein: „Die Bayrische Delegation erreichte Ústí nad Labem in Begleitung des stellvertretenden Vorsitzenden der Staatskanzlei und des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten einen Tag nach Seehofers Verhandlungen mit Ministerpräsident Petr Nečas. Ich freue mich, dass Ústí nad Labem auch in Bayern als ein zentraler Ort wahrgenommen wird, an dem wir uns auf eine zeitgemäße und freiheitliche Weise mit dem kulturellen Erbe der deutschsprachigen Bevölkerung der Böhmischen Länder auseinandersetzen. Unsere Stadt baute das Collegi-um Bohemicum als einen Ort des deutsch-tschechischen Dialogs auf. Der Besuch zeigt, dass auch Bayern, mit dem es lange keinen Kontakt gab, an diesem Dialog interessiert ist. Ich hoffe, dass nun eine Reihe weiterer praktischer und symbolischer Schritte folgen wird.“
Horst Seehofer beendete seinen Besuch mit den Worten: „Die Museen in Ústí nad Labem und München sollten nicht nur Museen, sondern lebendige Zentren der Zusammenkunft werden.“